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Geschichte soll für die Zukunft motivieren
Unser Pfarrbezirk hat eine Geschichte
Der Pfarrbezirk IV der Evangelischen Kirchengemeinde Bergisch Gladbach wurde 1968 gegründet. Zum Pfarrbezirk gehören 2.930 evangelische Christen. Tendenz steigend. Erster Pfarrer war Ulrich Meyer. Er begann 1968 als Vikar von Pfarrer Dr. Dr. Helmut Hochstätter und wurde 1971 zum Pfarrer des neugegründeten Pfarrbezirkes IV gewählt. Zu diesem Pfarrbezirk gehören: Bergisch Gladbach Hebborn, und die zur Gemeinde Odenthal gehörenden Ortsteile Voiswinkel, Eikamp, und eine Reihe kleiner Ortschaften und Gehöfte bis hinein ins Scherfbachtal unweit von Altenberg. In den 70er Jahren wurde übergangsweise in Odenthal-Voiswinkel ein Gemeindehaus mit drei Räumen errichtet. In dieser Zeit lag auch der Schwerpunkt des Gemeindearbeit in diesem Ortsteil. Ihm zur Hilfe wurde Ende der 80er Jahre ein Pastor im Hilfsdienst gestellt, Pastor Jochen Enders. Der Bau der Kirche zum Heilsbrunnen konnte durch die Vorarbeit von Pfarrer Meyer und den Elan von Pastor Enders und unter intensiver Beteiligung des bezirklichen Bauausschusses vorangetrieben werden. Pfarrer Meyer wurde in der Bauphase dann doch vorzeitig pensioniert. Pastor Enders verließ die Gemeinde. Seit dem 1.4.1990 hat Pfarrer Dehmel die Pfarrstelle inne. Nach seiner Einführung am 28.4.1990 begann er ganz bewußt die treue Mitarbeiterschaft anzusprechen und dazu aufzurufen, die gelungenen Gemeindearbeiten gemeinsam fortzusetzen.
Erste Ziele
Andererseits ist ein Neubeginn nach einem Streit auch eine gute Chance für Fortschritte. So konnten wir von Beginn dieser Zeit an das Gemeindezentrum für viele Gruppenaktivitäten öffnen, auch wenn diese Gruppen nicht unmittelbar einen christlichen Hintergrund hatten. Es galt, auch unter Rücksichtnahme auf das Gerede um den Heilsbrunnen, die Schwellenangst der Gemeindeglieder und Mitbürger zu senken und zu signalisieren, dass eine neue Zeit angebrochen hat. Das Prinzip unserer Gemeinde lautete: an den Bedürfnissen der Menschen entstehen Beziehungen, die wir dazu nutzen wollen, sie mit Christus zu verbinden. So haben wir zu Anfang auch von außen kommenden Gruppen unsere Räume zur Verfügung gestellt, und sie lose mit unserer Gemeindearbeit verbunden. Ganz gezielt wurden Krabbelgruppen initiiert. Die Gottesdienste wurden intensiv vorbereitet. Es sollte in allen Gottesdiensten spürbar werden, dass Jesus Christus eine Gute Nachricht für alle Menschen bereit hält. Die Glaubwürdigkeit des Bekenntnisses, die Freude am Evangelium und die Bereitschaft, sich selbst zu geben, waren die herausragenden Kennzeichen dieser ersten Jahre des Neuanfangs. So konnten in den ersten drei Jahren 30 Gruppen neu aufgebaut werden.
Es ist sehr lehrreich, durch die Initiativen von Gemeindegliedern zu lernen, was erfolgreich ist und was nicht. So entdeckten wir, dass eine in der Gemeinde bekannte Ansprechpartnerin für die Gründung von Krabbelgruppen eine große Hilfe ist. Diese Frau sammelte die Anschriften aller an einer Krabbelgruppe Interessierten, integrierte sie in eine bestehende Gruppe oder führte sie zu einer neuen Gruppe zusammen. Daraus entwickeln wir heute (1997) die Position der Bereichskoordinatoren.
Datenbankanwendungen für die verschiedenen Aufgabenbereiche der Gemeinde wurden aus Kostengründen selbst entwickelt und haben sich sehr bewährt. Das Gemeindezentrum wurde für den alltäglichen Gebrauch eingerichtet. Es galt, Rollos zum Verdunkeln, Projektoren für die Medien, Instrumente für die Gottesdienste und Kreise anzuschaffen und bauliche Mängel zu beseitigen. Hierzu mußte Geld beschafft werden, um die Ausstattung zu vervollständigen.
Aufbau der Verwaltung
Eine Verwaltung wurde aufgebaut, die vom Postbuch über Postfächer für die wichtigeren Mitarbeiter, die Vergabe von Schlüsseln bis zur Ablage der Unterlagen reichte.
Die Information der Gemeindeglieder durch Gemeindebrief, Schaukasten, Hinweisschilder und viele Hausbesuche begann. Der Gemeindebrief wurde prägnant und nach gestalterischen wie inhaltlichen Gesichtspunkten ansprechend. Es wurde umgehend eine Datenverarbeitung und die Erfassung aller Gemeindeglieder im Computer umgesetzt und seitdem beibehalten. Damit war es bald möglich, bestimmte Personengruppen gezielt anzuschreiben und sie auf Angebote hinzuweisen, die für sie gedacht sind.
Evangelische Kindertagesstätte
Aufgrund einer Anregung unseres Superintendenten, Pfr Schick, gründete Pfarrer Dehmel mit sechs Mitgliedern der Gemeinde am Sonntag, dem 16. Juni 1991 eine Evangelische Elterninitiative, um einen Evangelischen Kindergarten aufzubauen. Zuerst wurde ab dem 13. Januar 1992 in einem Provisorium in Voiswinkel eine Gruppe eröffnet, dann am 21.10.1994 ein Neubau in Hebborn mit vier Gruppen für 80 Kinder seiner Bestimmung übergeben.
Die Evangelische Elterninitiative ist in unserem Raum singulär. Inzwischen konnten wir auf Tagungen des Diakonischen Werkes unsere Konzeption vorstellen und unsere Erfahrungen weitergeben. Die Möglichkeit, auch katholische Erzieherinnen einzustellen, empfinden wir als Vorteil, weil die religiöse Sozialisation der katholischen Christen trotz vieler Widerstände gegen die theologische Position ihrer Kirche oft erheblich intensiver verlaufen ist als bei evangelischen Christen. Einziger Nachteil der Konzeption einer Elterninitiative sind die monatlichen Vorstands- sitzungen und der Betrieb des Vereinsapparates im Laufe des Jahres, also der notwendige Einsatz an Arbeitszeit. Denn für die dauerhafte evangelische Prägung der Einrichtung ist es wesentlich, dass der Pfarrer und ein Presbyter kontinuierlich an der Vorstandsarbeit beteiligt sind. Damit verbunden ist allerdings auch ein großer Vorteil: es entstehen Verbindungen zu Menschen, die dem Glauben fernstehen, Verbindungen, die in die Gemeinde münden können. Hier sind wir noch in den Anfängen.
Die Stadt Bergisch Gladbach machte uns 1995 das Angebot, ein Schulkinderhaus an der Grundschule in Hebborn durch die Renovierung eines Altbaus zu errichten. Der Vorstand konnte überzeugt werden, diese Aufgabe gemeinsam zu übernehmen. Am 13.10.1997 konnten wir eine zweigruppige Horteinrichtung in diesem Gebäude an der Grundschule errichten. Damit können wir dann in unseren beiden Einrichtungen insgesamt 120 Kinder in ihrer Entwicklung und in ihrem Glauben begleiten. Die Arbeit mit Eltern und Mitarbeiterinnen ist aufgrund des Geredes in der Elternschaft und im Team zeitweise sehr anstrengend für den Vorstand gewesen. Aber die entstandene Kompetenz im Vorstand hat die Probleme gut gelöst und durch einen Wechsel in der Leitung und im Mitarbeiterteam sowie den Weggang einiger Eltern ist Friede und konstruktives Arbeiten wieder eingekehrt.
1999 trat die Stadt Bergisch Gladbach an die Elterninitiative, die Kirchengemeinde und den Stadtkirchenverband Köln mit der Bitte heran, die beiden Häuser in die Trägerschaft der ev. Kirche zu überführen. Damit verbunden ist eine Entlastung des städtischen Haushaltes. Die Kirche nimmt mit der Übernahme ihre Verantwortung für soziale Aufgaben in der Gesellschaft wahr und investiert einen Teil ihrer Kirchensteuer. Am 17.02. 2000 wurde der Trägerwechsel im Jugendhilfeausschuss der Stadt beschlossen. Die kirchlichen Gremien stimmten ebenfalls zu und so wurde nach neun Jahren aus der Initiative einiger evangelischer Eltern eine evangelische kirchliche Einrichtung. Der Vorstand der Elterninitiative wurde vom Bezirkspresbyterium der Kirche zum Heilsbrunnen gebeten, die laufenden Geschäfte wie ein Fachausschuss des Pfarrbezirkes zu führen.
Im Jahre 2005 haben wir das Schulkinderhaus in eine Offene Ganztagsschule umgewandelt. Das brachte große Anstrenungen mit sich. Das Team um Gitta Graumann verkleinderte sich, dafür kamen Hilfskräfte hinzu und das Schulkinderhaus wuchs von 70 Kindern auf 107.
Notwendige Erweiterung des Gemeindezentrums
Der fortgesetzte Aufbau von Gruppen lastete das Gemeindezentrum immer mehr aus und stellte damit das Bezirkspresbyterium vor die Frage, ob wir in der Anzahl der Angebote weiter wachsen wollen, ob wir nur noch qualitativ wachsen wollen oder ob wir bereits eine befriedigende Form erreicht haben. Wir verstehen unsere Aufgabe vom Evangelium her ganz klar als Auftrag, möglichst viele Menschen mit Jesus Christus bekannt zu machen und sie zum Leben mit Jesus zu ermutigen. Emotional war für uns leitend, dass Menschen nach Gespräch und Glaubenserfahrung frugen und alle bestehenden Gruppen ausgelastet waren. Der Versuch, möglichst viele Gruppen ins Leben zu rufen, ist verführerisch. Wir dürfen nicht der Gefahr unterliegen, die Qualität der Gruppen im Bezug auf Glaube und Mitarbeit in der Gemeinde zugunsten der Gemeinschaft zu vernachlässigen.
So entschieden wir uns, eine kleine Erbschaft von Frau Anneliese Birkenstaedt zum Ausgangspunkt der Finanzierung eines Jugendhauses zu machen. Mit einem kleinen Anteil unserer Rücklage und einer 40% Förderung durch die Stadt konnten wir durch Eigenleistung für 186.000 DM das Jugendhaus fertigstellen und damit unsere Raumkapazität fast verdoppeln. Dieser Raum ist aber für die Kinder- und Jugendarbeit unzureichend.
In der Arbeit mit Erwachsenen lag nahe, in die Privathäuser auszuweichen. Entscheidender Vorteil war hierbei die Möglichkeit, authentisch miteinander das Christsein im Alltag zu üben. Für manchen Suchenden ist es eine völlig neue Erfahrung, wenn in seinen / ihren vier Wänden gebetet wird. Von da an geht es auch persönlich oft viel leichter.
Kirchenmusik und Pfeifenorgel
Der Wunsch eines Teiles der Gemeindeglieder nach einer eigenen Pfeifenorgel löste die Leitung des Pfarrbezirkes auf eine ähnliche Weise wie die Kindertagesstätte. Nach einer intensiven und auch kontroversen Diskussion entschloß sich das Bezirkspresbyterium, der Projektierung einer Pfeifenorgel zuzustimmen, wenn von anderer Seite die erheblichen Mehrkosten gegenüber einer digitalen Orgel übernommen würden. Der 1991 gegründete Freundeskreis für Kirchenmusik e.V. wurde reaktiviert und sammelte mit aktiver Unterstützung der Kirchenmusikerin Sieglinde Underberg durch viele Konzert und Adventsbazare Geld für die Orgel. 1996 konnte die Pfeifenorgel in einem feierlichen Gottesdienst dann zum ersten Mal erklingen. 1998 wurde das vorhandene Orgelpositiv vom Freundeskreis gekauft und der Kirche zur Verfügung gestellt. Damit ist die Pfeifenorgel bis auf 9.000 DM bezahlt. Der Freundeskreis für Kirchenmusik hat die enorme Summe von 260.000 DM innerhalb von 4 Jahren gesammelt. Einen solchen Erfolg hätte niemand zu hoffen gewagt! Noch heute dürfen wir uns über monatliche Konzerte freuen, die zudem auch gut besucht werden.
Ausgestaltung der Kirche
Die Vereinsarbeit trug noch eine dritte Frucht: die Finanzkraft des Evangelischen Kirchbauvereins Hebborn e.V. . Mit seiner Hilfe konnte ein umfassendes Konzept der künstlerischen Ausgestaltung der Kirche zum Heilsbrunnen vervollständigt werden. Seit 1992 steht über dem Altar unserer Kirche eine Christusstatue in Bronze. Ein Kreuz wurde 1994 außen über der Kirche angebracht und seit 1996 ist auch unser Altar in diese Gestaltung einbezogen, ein Kreuz in Bronze als Verkleinerung des Außenkreuzes und passende Leuchter stellen die Erlösung durch Jesus Christus, das Licht für die Welt dar. Kanzel und Taufstein sind derzeit noch wenig prägnant und können zu einem geeigneten Zeitpunkt zu einem Ziel der Gemeinde erhoben werden.
1996 schien es uns nicht mehr vertretbar, die Kirche zum Heilsbrunnen weiter baulich zu verstärken ohne vorher die beiden Außenorte Voiswinkel und Eikamp intensiv baulich und konzeptionell zu stärken. So versuchten wir, den Kirchbauverein für diese Aufgaben umzustrukturieren. Dies scheiterte allerdings an den Einsprüchen einiger Mitglieder, so dass wir uns darauf besonnen, den Kirchbauverein nach 30 jähriger Tätigkeit zu liquidieren und einen neuen Kirchbauverein für den ganzen Pfarrbezirk zu gründen. Dies wurde im Frühjahr 1997 durch die Gründung des Heilsbrunnen e.V. realisiert. Leider konnten von den 75 Mitgliedern des alten Kirchbauvereins bisher nur 30 Mitglieder für die neue Aufgabe gewonnen werden, aber es sind jetzt die Weichen für eine gerechte und dezentrale Entwicklung gestellt.
In diesem Zusammenhang möchten wir dankbar daran erinnern, dass wir, nicht zuletzt durch die intensive Arbeit unseres Presbyters Dr. Walter Klein, 1992 durch den Stadtkirchenverband das Grundstück erwerben konnten, auf dem unser Gemeindehaus in Voiswinkel steht. Damit ist auf längere Sicht eine Grundlage für die Gemeindearbeit in Voiswinkel geschaffen. Derzeit nutzen 17 Gruppen dieses Haus!
1995 konnten wir, wiederum mit Unterstützung des Stadtkirchenverbandes ein Haus in Eikamp anmieten, um der Gemeindearbeit dort endlich eine Chance zu geben. Inzwischen finden dort neun eigene und zwei Fremdgruppen statt. Wir wollen aber nicht verhehlen, dass der Erfolg der gemeindlichen Arbeit in Voiswinkel oder Eikamp ebenfalls davon abhängt, ob sich Führungs- persönlichkeiten finden, die verantwortlich Initiativen ergreifen, um eine Gemeindearbeit vor Ort aufzubauen! Alle baulichen Maßnahmen wurden mit insgesamt nur rund 200.000 DM aus kirchlichen Mitteln realisiert. Vereine und öffentliche Hände stellten bei jedem Projekt die größeren Beiträge zur Verfügung. Dies konnte durch hohe Eigenleistungen und Motivationen erreicht werden.
Geistliche Entwicklung
Ganz wesentlich ist, dass sich seit 1991 durch die Offenheit und die Feier des Gottesdienstes immer mehr engagierte Christen in der Gemeinde einfanden. Es war für alle spürbar, dass es einen konstruktiven Neuanfang gab. Ganz entscheidend hierbei ist Walter Polotzek zu nennen, der mit tiefer Überzeugung viel Engagement in die Gemeindearbeit brachte. Seine Wurzeln im CVJM und bei den Navigatoren vereinten sich mit den Schwerpunkten Pfarrer Dehmels, seinen katholischen Wurzeln, der mystischen Theologie (Meister Eckehardt usw.) und dem Verständnis für religiös Suchende. Auch Walter Polotzek war von Anfang an bereit, sich selbst zu geben. In die Vielgestaltigkeit der Gemeinde steuerte er das Element der Glaubensentscheidung bei. Die Entscheidung, sich als glaubenden Christen zu bekennen, wie es unser Glaubensbekenntnis ja voraussetzt, gibt mehr Sicherheit und läßt zu tieferen Glaubenserfahrungen und Erkenntnissen finden. Die Entscheidung soll aber weder bedrängend noch fordernd erfolgen, sondern immer einladend zu mehr Menschsein vor Gott.
Es entstand ein geistlicher Prozeß zwischen den beiden, der Auswirkungen hatte auf die Gottesdienste, den Bereich der Jugendarbeit und der Bibelkreise, die nun gegründet wurden. Die Kontemplation und die Mystik sind sorgfältige, aber langwierige Wege der Glaubensvertiefung. Sie sprechen zurückhaltende Menschen mit starken gedanklichen Auseinandersetzungen an. Das missionarische Konzept der Hausbibelkreise ist ein stärker kommunikativer Weg, um im Glauben einzuwurzeln, besonders für Menschen, die sich stärker an Beziehungen orientieren.
Die Sitzungen des Bezirkspresbyteriums wurden von nun an noch von den Fragen des Gemeindewachstums geprägt, da durch die vielfältigen Kontakte und die bekennende Verkündigung viele Menschen angesprochen wurden und um Möglichkeiten der Vertiefung baten.
Die Zeit der Konzeption des missionarischen Gemeindeaufbaus 1994 - 1998 Außenkontakte des Pfarrbezirkes
Des Pfarrbezirk hat sich kaum an den Partnerschaften der Gesamtgemeinde beteiligt. Wir waren von den Aufgaben im Bezirk stark in Anspruch genommen. Mit den sechs Schulen, die zu unserem Einzugsbereich gehören, mußte Pfarrer Dehmel feste Regeln für die Schulgottesdienste eines Jahres definieren. Erfreulicherweise ließen sich die Schulleitungen und die katholischen Kollegen auf sein Problem ein, so dass wir einen genau abgestimmten Terminplan schaffen konnten, um jede der Schulen wöchentlich, monatlich und zu den besonderen Festen geistlich zu begleiten. Der Kontakt mit den Schulen birgt ein enormes Potential in sich. Die drei wöchentlichen Morgengottesdienste stellen aber auch eine deutliche Mehrbelastung dar.
Die katholischen Nachbargemeinden reagierten alle ähnlich auf unsere Gemeindeentwicklung. Sie nehmen unsere Bemühungen um der Kirche fernstehende Menschen interessiert zur Kenntnis. Die Kontakte sind unkompliziert und ehrlich. 1995 wurde eine Reha-Klinik etwa 200 Meter von unserem Gemeindezentrum eröffnet. Seitdem besuchen wir auch dort evangelische Christen und feiern mit einem kleinem wechselndem Kreis 14 tägig Gottesdienste.
Im Neubaugebiet wurden inzwischen die Baulücken weitestgehend gefüllt. Die Möglichkeit, viele Familien in der gleichen Familienphase anzutreffen und bedürfnisorientiert anzusprechen, ist eine Konstante unserer Arbeit. Die jungen Familie brauchen allerdings auch viel Dynamik. Die Erwartungshaltung ist hoch, aber dies kommt uns insofern entgegen, als dass wir die Menschen auch unsere persönliche Wertschätzung authentisch spüren lassen wollen. Gästegottesdienst, Konfirmandenelternabende und Gemeindebriefhelfertreffen werden mit Aufwand gestaltet. Unsere Jugendfreizeiten ( bis zu vier im Sommer) und unsere monatlichen Konzerte erfreuen sich eines großen Zuspruchs.
1997 haben wir einen Mitarbeiterverein gegründet, der der Finanzknappheit im personellen Bereich und der Jugendarbeitslosigkeit entgegenwirken soll. 1998 wurde mit Hilfe des Arbeitsamtes Bergisch Gladbach und des Stadtkirchenverbandes Köln ein Sozialarbeiter eingestellt, der arbeitslosen Jugendlichen hilft, einen Ausbildungsplatz oder eine Arbeit zu finden und sie motiviert, ihnen bei der Bewerbung hilft und Kontakte herstellt. Das zweite Ziel des Vereins aber ist es, die gefährdete Küsterstelle finanziell zu stabilisieren und ggf. später eine Jugendseelsorgerstelle zu schaffen. Mehr als 68 Mitglieder hat der Verein für seine Aufgaben gewonnen. Zusammen mit der Evangelischen Elterninitiative konnte eine halbe Küsterstelle finanziert werden. Die große Hoffnung, jährlich über 30.000 DM aufzubringen, scheint sich zu erfüllen! Es ist begeisternd, die Bereitschaft der Gemeindeglieder zu erleben, unsere Arbeit zu unterstützen.
Nachdem die relativ einfach zu gründenden Krabbelgruppen von Lisa Polotzek in Hebborn und von Ingrid Diekjürgen in Voiswinkel systematisch aufgebaut worden waren, bemühten wir uns gezielter um die Gründung von Jugendgruppen und Hausbibelkreisen. Dies kann man als eine qualitative Entwicklung ansehen. In Bergisch Gladbach wurden wir für unsere Jugendarbeit bekannt, obwohl es nach unserer Ansicht eine stets gefährdete und mühsame Arbeit war. Der ständige Generationsabbruch stellt bekanntermaßen eine andauernde Herausforderung dar, neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden, zu schulen und zu motivieren. Walter Polotzek und Pfarrer Dehmel teilten sich diese Aufgabe. Seit 1996 ist Burkhard Schlegel in die Leitung der Jugendarbeit eingestiegen. Inzwischen sind eine Reihe von jungen Erwachsenen in die Leitungsarbeit eingestiegen. Ihre Motivation birgt gute Aussichten, der Jugendarbeit eine beständige Zukunft zu geben.
Eine unserer wirklichen Stärken ist unserer Einschätzung nach unser Kindergottesdienst. Drei engagierte Mitarbeitende bauten den Kindergottesdienst auf. Heute besteht das Team aus acht Frauen und Männern, die sich Dienstag abends zur Vorbereitung treffen und sonntags zusammen den Gottesdienst gestalten. Ihre Bemühungen werden von durchschnittlich 35 Kindern honoriert.
Das neue Organisationskonzept
Die bestehenden Gruppen organisierten wir in Leitungskreisen. Die Koordination der Leitungsteams für Frauenhilfen und Senioren, Besuchsdienst, Konfirmandenteam und die Redaktion übernahm anfangs Pfarrer Dehmel, ein entsprechender Jugendleiterkreis wurde von Walter Polotzek aufgebaut und intensiv begleitet. Für den Kinderbereich, die Hauskreise und die Frühstückskreise wurden geeignete Koordinatoren gefunden.
Darüber hinaus wurde unseren Mitarbeitenden ein Gemeindeentwicklungsteam (GET) angeboten, in dem sie an der Entwicklung und Leitung der Gemeinde Anteil nehmen konnten. Dieses Angebot erwies sich als schwierig, weil nur ein kleiner Kreis von Mitarbeitenden daran Interesse hatte. Nachdem wir Ende 1996 eine Größe von 80 ständigen Gruppen erreicht hatten, entschieden wir uns, eine strengere Organisationsstruktur aufzubauen. So sind wir derzeit im Begriff, das Gemeindeentwicklungsteam zu einer zentralen Veranstaltung für alle Koordinatoren der Bereiche zu konzipieren. Als Bereich definieren wir, wenn drei Gruppen mit gleicher oder ganz ähnlicher Aufgabenstellung in der Gemeinde existieren. Jeder Bereich wird von einem Koordinator aufgebaut. Seine Aufgabe ist es, den Kontakt zu den bestehenden Gruppen zu halten, über ihre Arbeit intensiv informiert zu sein, das Entwicklungspotential der Aufgabenstellung seines Bereiches einzuschätzen und weitere Gruppen aufzubauen, Mitarbeiter zu motivieren, zu schulen und zu bestätigen sowie diese Prozesse im GET zu vertreten. Zugleich werden die Gesamtkonzepte der Gemeinde im GET beraten und an die Bereiche weitergegeben.
Richtungsfragen des Glaubens
Diese Fragestellung ist bei allen Erfolgen des Gemeindeaufbaus die schwierigste und aufregendste Fragestellung. Die in den ersten Jahren typische Mischung alter und neuer Formen im Gottesdienst hat ab 1996 eine Änderung erfahren. Seit 1990 hatten wir einen monatlichen Jugendgottesdienst aufgebaut, der 1996 rund 140 Besucher anzog. Wir kamen auf den Gedanken, einen ähnlichen Gottesdienst für Erwachsene aufzubauen, die Gott fern stehen.
In den Diskussionen innerhalb des Presbyteriums im Bezirk und in der Mitarbeiterschaft wurde uns deutlich, dass die Erlösung der Menschheit und die Einbeziehung jedes Menschen in die Erlösung aufgrund des Glaubens an Jesus Christus nicht nur das Ziel Jesu war, sondern auch unser Ziel als Gemeinde Jesu sein sollte. Wir lernten zu unterscheiden zwischen Menschen, die Gott fern stehen und solchen, die der Kirche fern stehen. Diese Formulierung „die Gott fern stehen” und „die der Kirche fern stehen” sind kein Urteil unsererseits, sondern verstehen wir als Selbstbezeichnung! Alle Menschen, die sich einer dieser beiden Personengruppen zugehörig fühlen, sollten uns wichtig werden und in der Aufgabenbeschreibungen der Gemeinde eine zentrale Bedeutung erhalten.
In unserer Auseinandersetzung mit den Fragen des Heiligen Geistes wurde uns deutlich, dass wir dem Geist Gottes mehr Raum in unserer Frömmigkeit und unserer Gemeinde schuldig sind. Wir wollen uns aber nicht in gegebene Formen und Richtungen eingewiesen sehen.
Zu dem Zeitpunkt, als wir uns über die Eingrenzung der charismatischen Phänomene verständigt hatten, nahmen wir den Gedanken eines Gottesdienstes für Suchende wieder auf und feierten monatlich Willkommensgottesdienste. Diese Gottesdienste fanden sofort guten Zuspruch, aber sie brachten auch Konflikte mit traditionsverbundenen Gemeindegliedern und Mitarbeitern, weil Form und Musik der Gottesdienste auf die gegebene Tradition verzichteten, um den Kirchendistanzierten direkt auf ihrer eigenen Ebene das Evangelium nahezubringen.
Durch die Zusammenarbeit mit charismatischen Christen und die Orientierung an Willow Creek, einer nach unserer Einschätzung sehr gemäßigten amerikanischen Gemeinde mit tragfähigen Konzepten, gerieten wir insbesondere bei manchen Gemeindegliedern in Misskredit. Es lag offenbar manchen nahe charismatisches mit missionarischem gleichzusetzen. Neben Willow Creek haben wir besonders vom McKinsay-Report gelernt, der für 6 bayrische Gemeinden erstellt worden war. Es geht darum, dass jede Gemeinde ihren eigenen Fingerabdruck entwickelt, der ihrer Situation am Ort angesichts des Evangeliums entspricht.
Das derzeitige Gesamtkonzept 2004
Die Entwicklung des Pfarrbezirkes beruht auf sieben verschiedenen dynamischen Faktoren: der Glauben an Jesus Christus, dem Gebet, der motivierten Mitarbeit, der gabengerechten Arbeit, der missionarischen Öffnung nach außen, der Freude an der Tradition unseres Glaubens und der Unterstützung der volkskirchlichen Strukturen. Wir glauben, dass wir von unterschiedlichen Bewegungen der globalen Kirche lernen können, indem wir den einen oder anderen theologischen und praktisch-theologischen Aspekt in unsere Konzeption integrieren ohne unsere Linie zu verlassen und unsere Identität zu leugnen:
die Tradition unsere Kirche als Kirche der Reformation wollen wir verinnerlichen,
die Tradition der Alten Kirche wollen wir wieder aufgreifen für den oekumenischen Dialog und die eigene Identität als Kirche,
die sinnliche Erfahrung des Gottesdienstes in der Orthodoxen Kirche wollen wir erlernen,
die charismatische Erfahrung und der reflektierte Umgang mit der Kraft des Heiligen Geistes wollen wir erbitten,
die Öffnung gegenüber den Menschen, die Gott fern stehen, wie in Willow Creek beispielhaft vorgelebt, soll unsere erste Aufgabe sein.
Problematisch dabei ist, dass viele dieser Richtungen von einem Teil der Gemeinde als negativ angesehen werden könnten. So wird Willow Creek als amerikanische Sekte missverstanden, der Umgang mit dem Heiligen Geist als unschicklich oder schwärmerisch angesehen und eine Theologie, die die Herausforderung des biblischen Textes aufgreift, wird leicht als fundamental eingeschätzt.
Unseren Auftrag und acht zentrale Werte haben wir bereits verabschiedet. Unsere Strategie und unsere Vision in die einzelnen Bereiche zu übersetzen und wenigstens die Hälfte unserer aktiven Gemeindeglieder von diesem Weg zu überzeugen, wird noch eine große Aufgabe für uns sein.
Die presbyteriale Leitung des Pfarrbezirkes der Kirche zum Heilsbrunnen möchte die Herausforderung des Evangeliums Jesu Christi annehmen. Wir möchten weder evangelikal noch charismatisch sein, sondern im Sinne der Kirchenordnung und insbesondere ihrer Grundartikel Menschen für das Evangelium Jesu Christi gewinnen. Wir stehen unter dem Auftrag Jesu Christi, allen Menschen zu helfen, begeisterte und überzeugte Nachfolger Jesu zu werden und in der Nachfolge zu wachsen! Wir sind also eine missionarische Gemeinde.
Engagement und Routine
Die Aufbruchstimmung hat sich über 10 Jahre gehalten. Aber aus Aufbruch wurde Engagement und aus Engagement wurde Routine. Neben der Freude, Ideen Wirklichkeit werden zu lassen und Dinge auszuprobieren war uns immer die spirituelle Berührung und der Aufbau der Mitarbeiterschaft wichtig. So sehr vielen in der Gemeindeleitung und in der Mitarbeiterschaft die Feier des Glaubens fällt, so schwer fiel uns der Aufbau und die Stärkung der Mitarbeiterschaft. Die Lektüre von Willow Creek Literatur machte uns klar, dass wir nicht in der Lage waren, die dortigen Erfahrungen zu übersetzen. Wir brauchten einen einen eigenen Mitarbeiterbereich. Ein jährliches Mitarbeiterfest an Himmelfahrt, Geburtstags- und Weihnachtskarten waren ein erster Schritt. Aber über die Frage der Entdeckung der geistlichen Gaben kam es zu Spannungen. Können wir von allen interessierten Gemeindegliedern und Mitarbeitenden erwarten, dass alle einen Gabenkurs machen? Wir entschieden uns gegen konsequente Mitarbeiterprogramme. Im Bedarfsfall sollten Weiterbildungsangebote gemacht werden.
2006 analysierten wir unsere Gottesdienste und stellten fest, dass wir über 300 Gottesdienste an Sonn- und Werktagen feierten, die Kita-Andachten nicht mitgerechnet. Die Schulgottesdienste steigerten sich in den folgenden Jahren allein schon auf 110 im Jahr. Die Gottesdienste waren eine Leidenschaft der Ordinierten.
Das wichtige Bedürfnis nach persönlichen Kontakten konnte hingegen nur durch Kleingruppen befriedigt werden. Die Hauskreise waren auf 13 angewachsen, die Jugendgruppen auf 7. Endlich gelang es nach vielen vergeblichen Versuchen, auch mehr Kindergruppen anzubieten. Wir konnten Kindern sechs verschiedene Gruppen anbieten.
Vision 2015
2007 wurde es Zeit, unsere Situation neu zu bewerten. In einem intensiven Analyse- und Konzeptionsprozess untersuchten wir unser eigenes Potenzial und das des Pfarrbezirkes. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre halten uns, diese Arbeit zu vollbringen. Die Koordinatoren waren an diesem Prozess der Presbyter beteiligt. Eine Minderheit sah sich selber in der Position der Gemeindeleitung. Die Presbyter stellten klar, dass sie Gemeindeleitung sind, die Koordinatoren hingegen Bereichsleitung. Dies führte bei wenigen Koordinatoren zu Enttäuschungen, insgesamt verbesserte es die Zusammenarbeit.
Gemeindegeschichte