31. März 2019

LÄTARE – PREDIGT AM 31.03.2019

LÄTARE – PREDIGT AM 31.03.2019

Predigt am 31.3.2019, Lätare

Johannes 6, 47-51

47 Amen, ich versichere euch: Wer sich an mich hält, hat das ewige Leben.

48 Ich bin das Brot, das Leben schenkt.

49 Eure Vorfahren aßen das Manna in der Wüste und sind trotzdem gestorben.

50 Hier aber ist das Brot, das vom Himmel herabkommt, damit, wer davon isst, nicht stirbt.

51 Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst,

wird ewig leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Leib. Ich gebe ihn hin, damit die

Menschen zum Leben gelangen können.«

Liebe Gemeinde,

sicher haben Sie sich gewundert, dass Ihnen Brotscheiben den Weg in die Kirche

erschwerten. Echte Brotscheiben hinzulegen fand ich nicht richtig. Aber ich denke,

dass Sie dennoch das kopierte Brot nicht mit Fü.en getreten haben. Brot tritt man

nicht mit Fü.en, so etwas tut man nicht.

Die Idee mit den Brotscheiben wurde in einer Ausstellung mit Kunstwerken

geboren – also ist die Idee nicht auf die Kirche beschränkt, jedermann konnte die

Ausstellung besuchen. Allerdings konnte man die Kunstwerke nur dann erreichen,

wenn man über einen Weg ging, der dicht an dicht mit echten Brotscheiben

gepflastert war. Und was passierte: Fast keiner der Ausstellungsbesucher lief über

das Brot, es wurde lieber auf das Betrachten der Ausstellungsstücke verzichtet.

Das Symbol des Lebens tritt man nicht mit Fü.en. Das steckt ganz tief in uns drin –

Gott sei Dank {von Kloeden ff}.

Die Achtung vor unseren Lebensmitteln ist deutlich zurückgegangen. Man schmiss

intakte Lebensmittel früher und auch heute in vielen Haushalten nicht einfach

weg. Uns leiten dabei die Achtung vor der Schöpfung und die Dankbarkeit, dass

wir Zugang zu den Lebensmitteln haben.

Brot nimmt hier nicht nur in christlichen Haushalten eine besondere Stellung ein.

Es ist schon immer ein Symbol des Lebens gewesen, das zeigt die Geschichte des

Brotbackens. Die Ägypter erfanden es. Von dort gelangte es nach Israel, dann nach

Griechenland und Rom. Es war allerdings dort Luxus, es war kostbar.

Das Brot als Grundnahrungsmittel erreichte uns in Mitteleuropa erst vor ca. 200

Jahren. Seine Kostbarkeit, seine „Heiligkeit“ hat es aber bis heute erhalten.

Wie erwähnt kannten die Israeliten das Brot. In der Wüste diente den Israeliten

auf ihrer 40-jährigen Wanderschaft das Manna als Nahrung. Weil diese Speise

nachts auf den Wüstenboden fiel und morgens aufgesammelt werden konnte,

wurde Manna auch als „Himmelsbrot“ bezeichnet. Ich komme gleich noch einmal

darauf zurück. Schauen wir ins Neue Testament, so fällt einem zunächst das

Brotwunder ein, die Speisung der 5000. Alle werden vom Brot satt.

Nachdem die Leute das Brotwunder erlebten, wollten nun die Menschen Jesu

übernatürliche Kräfte für ihre eigenen Zwecke einbinden, sie wollten ihn zum

König machen. Die Menschen gingen am anderen Tag an das Ufer des Sees, um

Jesus zu suchen. Als sie ihn fanden, sagt Jesus ihnen direkt ins Gesicht:

„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen

habt, sondern weil ihr von dem Brot gegessen habt und satt geworden seid.

27 Müht euch nicht um Speise, die vergänglich ist, sondern um Speise, die da bleibt

zum ewigen Leben. Dies wird euch der Menschensohn geben; denn auf ihm ist das

Siegel Gottes des Vaters“.

Jesu nachfolgende Unterhaltung nimmt das Wunder des Manna in den Blick:

31 Unsre Väter haben Manna gegessen in der Wüste, wie geschrieben steht (Psalm

78,24): »Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen.« Soweit Jesu Worte.

Die Menschen wollen offenbar so etwas Ähnliches wie bei Mose das Manna

bekommen, um glauben zu können. Jesus stellt aber zunächst klar, dass nicht

Mose das Brot vom Himmel gegeben hat, sondern Gott hat es geschickt zum

leiblichen Überleben. Nun gibt sich Jesus zu erkennen, er ist der Sohn Gottes, der

sich wahrlich um der Menschen Wohlergehen in jeder Hinsicht bemüht. Er sagt:

Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer

an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.

Und weiter: 51 Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer

von diesem Brot isst, wird ewig leben.

Jesus zerreißt also den Schleier, der über der bisherigen Rede lag. Er selbst in

Person ist das Brot, von dem hier die Rede ist: Ich bin das Brot konstatiert er.

Im Grunde genommen zielt Jesu Brotrede auf das Problem des Unglaubens. Die

Speisung der 5000 war zwar ein Wunder, aber es wird immer wieder ein neues

verlangt. Wenn es zum Glauben an Jesus kommt, ist dies einer Initiative des Vaters

zu verdanken. Dessen Heilswillen erstreckt sich auf alle Menschen. Im Innersten

eines jeden gibt es jedoch eine Freiheit des Wollens oder Nichtwollens, die von

Gott nicht angetastet wird [Stuttg. Erkl. Bibel]

Mit dem Bild des Brotes in seiner Rede verknüpft Jesus zwei Dimensionen

miteinander: Einerseits brauchen wir für unseren Leib unser tägliches Brot auch

heute, andererseits soll auch der geistliche Hunger nach Leben gestillt werden.

Dieser 2., geistliche Hunger zielt darauf ab, die großen Fragen des Lebens zu

beantworten: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Und dann: Wer hat die Welt

erschaffen? Auf welches Ziel geht diese Welt zu? Die beiden letzten Fragen

nehmen uns, liebe Gemeinde, in unser momentanes Umfeld 2019 hinein. Wir

leben jetzt und von dem, wohin alles hinsteuert. Wir sind davon abhängig, auch

wenn wir die Zukunft nicht kennen. Die Situationen in der Weltpolitik, USA,

Russland, Türkei, aber auch Polen, Ungarn und England können uns eigentlich

nicht gleichgültig sein, bestimmen sie doch auch unser Umfeld.

Zwar holt uns die reale Wirklichkeit bei diesen Fragen immer wieder ein, aber wir

wissen, dass es einen höheren Sinn gibt. Aus der realen Wirklichkeit können wir

einerseits die momentane Situation ablesen: Es gibt Zerstörung und Sinnlosigkeit,

es gibt das erfahrbare Leiden, es gibt den Tod. Andererseits gibt es die Liebe, die

Hoffnung, den Trost und den Sinn.

Es gibt sie, die hoffnungsvoll stimmenden Zeichen von Liebe und Zuneigung

[Vögele].

Dafür brauchen wir aber Menschen, die erst einmal da sind, ganz gleich wer oder

was sie sind. Ohne andere Menschen, ob fremd oder vertraut, ob krank oder

gesund, ob arm oder reich, — kann sich keine Liebe, keine Hoffnung, keine

Zuneigung, kein Sinn entfalten. Ohne andere Menschen um uns herum könnten

wir zwar Brot haben, aber nicht das Brot des Lebens. Es geht also um eine

Gemeinschaft, die man suchen und pflegen soll. Die Gemeinschaft mit anderen

war auch Gegenstand von Achim Dehmels bemerkenswerter Predigt im WIGO, sie

passt sogar in unseren Kontext.

Genauso wie wir unser tägliches Brot heute brauchen, so brauchen wir auch

täglich die Vergewisserung, dass eben hinter der realen Wirklichkeit eine weitere

Dimension liegt, nämlich, dass es einen Schöpfer gibt, der es mit den Menschen

eindeutig gut meint und dass Jesus Christus als Bruder zu uns steht.

Jesus hat Anteil an beidem, an der himmlischen unsichtbaren Welt des Vaters und

der realen Welt mit ihrer Verzagtheit und allen Komplikationen.

So öffnet Jesus die Tore des Himmels für uns, da wir an ihn glauben. Er macht den

Blick und den Weg frei in das Reich Gottes.

Jesus kam nicht nur, um uns zu zeigen, wie Gott wirklich ist und wie wir ein

besseres Leben führen können mit ihm und auch mit unseren Mitmenschen in der

Gemeinschaft. Jesus kam auch, um uns die Erlösung anzubieten, die zum ewigen

Leben führt.

Aber was ist das ewige Leben? Ist das etwas, was nach diesem Leben, wie wir es

kennen, kommt und zwar in ewiger, also unendlicher Zeitausdehnung? Wird ein

Jungbrunnen gleich mitgeliefert?

So kommen wir da nicht weiter mit unserer eigenen Gedankenwelt. Im

„hohepriesterliche Gebet“ (Joh 17,3) sagt Jesus es uns mit den Worten, die er an

seinen Vater richtet: „Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein

wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen“. Das ewige

Leben besteht darin, mit dem verherrlichten Christus und dem Vater

Gemeinschaft zu haben {Stuttg. Erkl. Bibel}.

Also wird hier nichts vom ewigen Harfespielen und dergl. geredet, auch wird keine

Zeitangabe, also unendlich, oder zeitlos, oder dergl. gemacht – nirgends.

Dazu ein Beispiel. Sie, liebe Gemeinde kennen den Ausdruck: „Das dauert ja

ewig!“

So habe ich am Hansaring auch gedacht, denn die S-Bahn kam nicht pünktlich.

Also las ich in meinem Buch, was ich in meiner Tasche hatte. Eigentlich war

Buddenbrocks mir zwar aus der Schulzeit fragmentarisch bekannt, ich mochte es

aber nicht. Als ich jedoch auf dem Bahnsteig darin las, fesselte mich das Buch

eigenartigerweise. Ich bemerkte nicht, dass die Bahn nach Bergisch Gladbach

schon durch war. Allmählich wurde es kalt, ich schaute auf und wartete nun

bewusst auf die nächste Bahn, damit sie nicht wieder ohne mich fuhr.

Was passierte da eigentlich. Offensichtlich war ich so in das Buch vertieft, dass ich

ganz die Zeit vergessen hatte. Ich war nur in der Gegenwart, im Jetzt, mit meinem

Buch. In der Gegenwart gibt es keine Zeit, im „Jetzt“ gibt es keine Zeit, die Zeit ist

schlicht abwesend. Das kann man sogar mathematisch deuten. Vor 2 Minuten

predigte ich, das passierte also in der Vergangenheit. Und in 2 Minuten predige

ich nicht mehr, das liegt in der Zukunft – die Predigt wird dann in 2 Minuten zu

Ende sein. Wenn sie nun die Zeit vor- und nachher auf 1/10 Sekunde verkürzen, so

liegt in unserer Vorstellung die Gegenwart immer noch zwischen Vergangenheit

und Zukunft. Machen sie den Schnitt unendlich klein, so sind Vergangenheit und

Zukunft nicht mehr zeitlich getrennt, es gibt in der Gegenwart keine Zeit, sie ist

zeitlos, sie ist nicht definiert, sie ist nicht zu messen, unser Zeitbegriff ist hinfällig.

Wenn es also keine Zeit dort gibt, so kann sich Gott dennoch immer uns

zuwenden, er steht ja über der Zeit, Gott ist gegenwärtig werden wir gleich

singen. Also brauchen wir uns keine Gedanken um zeitliche Abfolgen zu machen –

etwa: Was war vor dem Urknall und was wird sein nach dem fernen Ende der

Erde. Unser Zeitbegriff ist dann hinfällig. So schauen wir doch lieber nochmals in

das „hohepriesterliche Gebet“: „Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der

du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen“.

Nun verstehen wir Jesu Worte genauer:

47Amen, ich versichere euch: Wer sich an mich hält, hat das ewige Leben.

Durch unseren Glauben an Jesus Christus erhalten wir –man möchte meinen wie

eine Zugabe- das ewige Leben in Gottes Reich in der Gemeinschaft mit dem

dreieinigen Gott, was wir alle anstreben. Es ist eine andere, uns unbekannte,

Dimension, die höher ist als all unsere Vernunft. Die Gemeinschaft mit Gott ist der

Grund zur Freude des heutigen Sonntags Lätare: Freut Euch!

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und

Sinne in Christus Jesus.

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